Geldautomat im Beichtstuhl
Geldautomat im BeichtstuhlHieß es vor kurzem in einem Bericht über ein Hotel in einem großen Freizeitpark. Nicht nur dass dort zwei alte Beichtstühle im Foyer als Geldautomat dienen, sondern auch die Angestellten laufen in Nonnentracht und Mönchsgewändern herum. Über der Rezeption steht „Klosterpforte“ und in einer mittelalterliche Kapelle wird den ganzen Tag lang Weihrauch verströmt wird.
Ein Satz über die Gäste hat mich aufhorchen lassen: „Es sind wohl die Jüngeren, die dem augenscheinlich Fremden unvoreingenommen und mit Neugier begegnen.“ Junge Menschen suchen das Fremde.
Unsere Kirchen und unsere Gottesdienste mit ihrer alten Liturgie sind vor allem für junge Menschen etwas sehr Fremdes. Häufig heißt es: „Weil es fremd ist, muss man es verändern und mehr dem Geist der Zeit anpassen. Es muss alles ganz locker werden. Am besten wie eine Show.“ Aber die Erfahrung aus dem Kloster-Hotel hat mich eines Besseren gelehrt. Junge Menschen suchen das Fremde. Das ermutigt, zu unseren Traditionen und zur Fremdheit in unseren kirchlichen Gemäuern zu stehen.
Wenn junge Menschen das Fremde suchen, wollen sie auch etwas davon haben. Im Freizeitpark ist es gewiss Spaß und Vergnügen. Aber die meisten haben eine Ahnung davon, dass es darüber hinaus etwas gibt, was ihr Leben erfüllt sein lässt. Darum sehe ich es als eine große Chance, wenn gerade junge Menschen in unsere Kirchen kommen. Das Fremde macht sie neugierig. Aber dabei dürfen sie nicht stehen bleiben, sonst verlieren sie bald an Interesse. Das Fremde muss zu etwas Vertrautem werden, bei dem sie nicht nur ihren Spaß haben, sondern auch Aha-Erlebnisse für ihre Lebensfragen mitbekommen und für sie sich ein Fenster zum Himmel auftut.
Der Geldautomat im Beichtstuhl ist keine Lösung. Es ist ein schlechtes Spiel mit tiefen und lebensspendenden Inhalten. Es führt die religiöse Neugier nicht weiter. Viel besser wäre es, wenn dieses Hotel einen Mitmachgottesdienst anbieten würde, bei dem Freude und Dankbarkeit aber auch Bitten und Klagen ihren Platz haben, bevor es zur Achterbahn geht.
Aus der Neugier für das Fremde können unsere Kirchen wieder zu einer „coolen location“ mit einem „Wellnessangebot“ für die Seele werden. Dazu wünsche ich uns allen viel Phantasie und Gottes Segen.
Herzlichst Ihr Pfarrer Eckart Dautenheimer
PS Ich beziehe mich auf den Artikel „Geldautomat im Beichstuhl“ aus Publik-Forum 2/2009, S. 36


