Wort zum Sonntag in der Wetterauer Zeitung, 14. August 2011, 8. Sonntag nach Trinitatis
Geschrieben von: Eckart Dautenheimer
Harald musste für uns sterben
Seit zwei Stunden starre ich gespannt auf die Leinwand in unserem Kino. Obwohl wir Hochsommer haben, könnte es von den Temperaturen her gerade Karfreitag sein. Bei 14°C Tageshöchsttemperaturen und Dauerregen waren die Ironmänner und –frauen heute um Okarben herum gefahren, während im Kino – nein, kein Jesusfilm, sondern ein Fantasiefilm lief, der zur Zeit Millionen von Menschen weltweit in die Kinos zieht.
„Er muss für uns sterben, damit das Dunkle besiegt wird. Der Stein der Auferstehung wird ihn wieder zum Leben erwecken.“ Lauten die Worte des großen Meisters über seinen Schüler. In diesem Moment denke ich: „Ich bin in einem Gottesdienst und höre mich über Paulus predigen, der in seinen Briefen schreibt, dass Christus für uns gestorben ist, um den Tod zu besiegen. „Christus ist für uns gestorben, auf dass wir mit ihm leben.“ (1. Thessalonicherbrief 5,10)
Schnell wird mir deutlich, dass das, was wir auch im letzten Teil der Harry-Potter- Saga zu sehen bekommen, in vielen Punkten unseren christlichen Glauben in moderner Form erzählt: Ein kleines Kind kommt zur Welt, dessen Leben von Anfang an bedroht ist. In Armut wächst es auf, hat übermenschliche Fähigkeiten und wird zum Retter der Menschheit durch seinen Tod und Auferstehung.
Sein Vorname Harry, zu Deutsch Harald, ist ein Allerweltsname wie damals Jesus auch. Der Nachname Potter, zu Deutsch Töpfer, erinnert an unseren Schöpfergott, der in der Bibel mit einem Töpfer verglichen wird. Durch Harry Potter / Harald Töpfer wird also die Welt neu, gut und gerecht erschaffen. So das Fazit des Filmes.
Am Ende wird man sanft in den Kinosaal zurückgeholt. Das Gottesdienstgefühl tritt in den Hintergrund, als die letzte Szene gezeigt wird: 19 Jahre später hatte Harry eine Familie gegründet und seine Kinder führen seine Geschichte fort. So ein Hollywood- Ende gibt es in den Evangelien nicht. Was aber bleibt ist die Grundaussage, dass wir Menschen – egal ob wir Jünger Jesu oder Fans von Harry Potter sind – durch manche Dunkelheit im Leben durch müssen, um eine bessere Zukunft aufzubauen. Dazu wünsche ich Ihnen viel Ermutigung und den Segen Gottes.
Herzlichst Ihr Pfarrer Eckart Dautenheimer, Okarben


