Wort zum Sonntag in der Wetterauer Zeitung 25.07.2010, 8. Sonntag n. Trinitatis

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Mein rechter, rechter Platz ist frei

ich wünsche mir -“ eine kurze Pause entsteht und der Junge schaut sich im
Stuhlkreis herum. Alle sind gespannt. Einige rufen ihm zu: Ruf mich! Ruf mich!“ Dann
kommt der erlösende Satz: „ ... die Sabine herbei.“ Das Mädchen geht voller Stolz
durch den Kreis und setzt sich auf den rechten Platz des Jungen. Die anderen sind
enttäuscht.

Am Sonntag ist der Tag des Apostel Jakobus. Er ist nicht nur bekannt, weil er einer
der zwölf Jünger Jesu ist, der auf seiner Missionsreise bis nach Spanien kam und in
der Kathedrale von Santiago de Compostella begraben liegt, sondern weil seine
Mutter mit ihm und seinem Bruder Johannes, eine ernste Variante des Spieles „Mein
rechter, rechter Platz ist frei“ vorhatte. Im Matthäusevangelium wird geschildert, wie
sie sich vor Jesus niederwirft und ihn bittet, dass ihre beiden Söhne im Reich Gottes
zu seiner Rechten und zu seiner Linken sitzen dürfen.

Jeder will auf dem Lieblingsplatz, auf dem rechten Platz sitzen, um vom Glanz des
Bestimmers etwas abzubekommen. Was bei den Kindern ein Spiel ist, und in der
Erwachsenenwelt einen unbarmherzigen Konkurrenzkampf um die Gunst des Chefs
auslöst, soll bei Jakobus und seinem Bruder zur ewigen Schlüsselposition im Reich
Gottes führen. Der Weltenherrscher wird in Kürze seinen Thron im Himmel
besteigen. Wer möchte da nicht rechts und links von ihm sitzen und von seinem
Glanz etwas abbekommen?

Wo ist Ihr Platz im Leben? An wessen rechter Seite sitzen Sie?

Sobald ein Star auftaucht, wollen alle an seiner rechten Seite sein. So gab es auch
unter der Jüngerschaft Streit, denn alle wollten an Jesu rechter Seite sitzen. Darauf
antwortete Jesus mit den Worten: „Wer an erster Stelle sein möchte, der soll den
anderen dienen.“ An Jesu rechte Seite kommen wir also nicht, indem wir unsere
Ellenbogen ausfahren und andere zurück drängen, sondern indem wir anderen
helfen, sie unterstützen und fördern. So haben wir Anteil an seinem Glanz.

Trotzdem können wir Jesus noch auf eine andere Weise ganz nah sein und
brauchen keine Konkurrenz zu fürchten. Wenn wir beten, sind wir Gott so nahe wie
nie zuvor. Da hört er unsere Worte und ist für uns da. Auch wenn wir in schweren
Zeiten das Gefühl zu haben, ihm ganz entfernt zu sein, ruft er dennoch: Mein rechter,
rechter Platz ist frei, ich wünsche mir Dich herbei!

Herzlichst Ihr Pfarrer Eckart Dautenheimer, Okarben